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Größen- und Formenvergleich verschiedener Haushuhneier
Foto: M. Unsöld Info Info

Objekt(e) des Monats Juli 2024

Haushuhneier Gallus gallus domesticus

Das Haushuhn, die domestizierte Form des Bankiva- oder Roten Kammhuhns, ist heute die zahlenmäßig häufigste Vogelart der Erde und ein wirtschaftlich wichtiges Haustier: es liefert Fleisch, Federn und Eier. Optisch begeistern die verschiedenen Rassen mit skurrilen Körper- und Kammformen, variablen Federstrukturen und herrlichen Gefiederzeichnungen, was sie bei Rassegeflügelzüchtern und Hobbyhaltern gleichermaßen beliebt macht. Hähne müssen in Krähwettbewerben und in einigen Teilen der Welt leider noch in blutigen Hahnenkämpfen gegeneinander antreten. Ein Huhn für alle Fälle!

Während ein Gelege der wilden Kammhühner je nach Art aus etwa 2-10 Eiern besteht, können Hochleistungsrassen bzw. -hybriden über 300 Eier pro Jahr legen. 2022 wurden weltweit fast 82 Millionen Tonnen Hühnerei produziert! Bei so einer enormen Menge von Eiern bei einer durch den Menschen in vielerlei Hinsicht manipulierten und kontrollierten Vogelart treten von der Norm abweichende Hühnereier sehr viel häufiger auf und werden weitaus häufiger entdeckt als bei anderen Vogelarten.

Abnormitäten von Eiern des Haushuhns
Foto: M. Unsöld Info Info

An der Schale sichtbare »Abnormitäten« sind deutliche Größenunterschiede (erheblich kleinere oder größere Eier als das Durchschnittsei der jeweiligen Rasse), »zerknittert« aussehende Eier, Rillen, Kalkablagerungen und Verfärbungen der Schale in vielen verschiedenen Variationen.

Diese Abweichungen und Deformationen können ernährungs- (Mangel oder Überversorgung an Wasser, Kalk, Vitaminen oder Mineralsalzen), haltungs-, stress-, alters- oder krankheitsbedingt auftreten oder genetische Ursachen haben.

In der Sektion Ornithologie sind neben Eiern von Wildvögeln auch solche von domestizierten Arten zu finden; darunter befinden sich auch mehrere unterschiedlich deformierte Hühnereier (Abb. 1 und 2).

Ei im Ei
Foto: M. Unsöld Info Info

Die häufigsten Abweichungen betreffen Größenunterschiede. Die ersten Eier einer jungen Henne sind meist kleiner und erreichen nach der ersten Mauser ihre rassetypische Größe. Erst bei deutlich kleineren oder viel größeren Eiern, die nicht zu Entwicklung und Schlupf eines lebensfähigen Kükens führen würden, kann man von einer Störung sprechen.

Störungen bei der Schalenbildung führen zu andersartig geformten Eiern wie dem erdnussförmigen und dem einer Schlumpfmütze ähnelnden Ei oder zu einer anderen Oberflächenstruktur. Beide Veränderungen sind instabil und zerbrechen leicht.

Extrem selten ist das »Ei im Ei« (Abb.3). Über seine Bildung ist nichts bekannt; es könnte durch Legenot entstanden sein, wobei um das sich noch im Eihalter befindliche Ei eine zweite Schale gebildet wurde. Dadurch hat sich auch das Gewicht auf 140 g erhöht. Zum Vergleich: ein handelsübliches Ei der Gewichtsklasse S wiegt bis 52 g, Klasse M 53 – 62 g, Klasse L 63 – 72 g, alles darüber ist XL. Das bislang schwerste bekannte Ei wurde 1956 gelegt und wog 454 g!

Verschiedenfarbige Hühnereier
Foto: M. Unsöld Info Info

Die Färbung von Hühnereiern (Abb. 4) wird bei der Bildung der Schale durch Einlagerung von aus der Schalendrüse abgesonderten Farbpigmenten bestimmt und reicht von reinweiß über beige und grün bis zu dunkelbraun. Sie hat nichts mit der Haltung zu tun, sondern ist genetisch fixiert. Bekannt und beliebt sind die grünen Eier der Araucanas und die schokoladenbraunen Eier der Marans. Die Ohrscheibe der Henne zeigt zu einem gewissen Grad die Eifärbung an: ist sie weiß, dann legt das Huhn weiße Eier.

5 Fakten über das Haushuhn

  • Große, bunte Verwandtschaft: Die vier rezenten Kammhuhnarten der Gattung Gallus, Bankiva- oder Rotes Kammhuhn G. gallus, Sonnerathuhn G. sonneratii, Ceylonhuhn G. lavayettii und Gabelschwanzhuhn G. varius, gehören in die fast 200 Arten umfassende Familie der Fasanenartigen, Phasianidae. Innerhalb dieser sind sie in der Unterfamilie Pavoninae und damit näher mit den Pfauen als den Eigentlichen Fasanen verwandt.
  • Rassig: Durch die lange Zeit als Haustier entstanden Hühner für jeden Zweck: Lege-, Fleisch-, Zweinutzungs-, Kampf- und Zierrassen. Die Anzahl an anerkannten Hühnerrassen variiert je nach Land bzw. Zuchtverband; in Europa sind es etwa 200 Rassen, weltweit über 500. Bei einigen handelt es sich um »verzwergte« Formen von Großrassen. Bei der leichtesten Hühnerrasse wiegen die Hennen teilweise unter 200 g (Serama), bei den schwersten die Hähne über 5 kg (Jersey Giant, Brahma, Cochin).
  • Längster Vogel der Welt: Langschwanzhühner sind ursprünglich in China entstandene Zierhühner. Bei den japanischen Onagadori-Hähnen werden die Schwanzfedern nur alle paar Jahre oder gar nicht mehr gemausert und können so bis zu 14 Meter Länge erreichen! Seit 1952 gilt die Rasse als besonderes Naturdenkmal und unterliegt einem Ein- und Ausfuhrverbot.
  • Ich wollt, ich wär’ (k)ein Huhn: Das Leben der allermeisten Haushühner hat nichts mehr von der Hühnerhofidylle mit dem Hahn auf dem Misthaufen und den im Boden scharrenden Hennen. Hochzuchthybridhühner müssen je nach Zuchtziel entweder schnell Masse aufbauen um bereits ab 28 (konventionelle Kurzmast) bis 81 (Bio-Mast) Tagen ihr Schlachtgewicht zu erreichen oder viele Eier legen. Das komplexe Sozialverhalten kann in den auf Gewinn ausgelegten Massentierhaltungen nicht ausgelebt werden. Erfreulicherweise wird die private Haltung von kleinen Hühnergruppen im Garten immer beliebter. Leider sind es meist nur Hennen, da Hähne aus Lärmschutzgründen im Siedlungsraum oft nicht gehalten werden dürfen.
  • Gesundheitsgefahr: Massentierhaltung von Geflügel und insbesondere von Hühnern wird von der WHO als eine enorme Gefahr für die Menschheit angesehen. Durch die extrem hohe Dichte an Wirtsorganismen treten bei Viren und Bakterien mehr Mutationen auf, die durch den engen Kontakt auf den Menschen überspringen (Spillover) und zu Pandemien führen können. Wegen der hohen Krankheitsanfälligkeit der unter Stress stehenden Tiere werden häufig prophylaktisch Antibiotika eingesetzt, die zu multiresistenten Keimen führen können, gegen die dann nur noch Reserveantibiotika helfen.

Abbildungen

Abb. 1: Der Größen- und Formenvergleich verschiedener Haushuhneier. Foto: M. Unsöld

Abb. 2: »Abnormitäten von Eiern des Haushuhns« aus der Eiersammlung der ZSM. Foto: M. Unsöld

Abb. 3: Das von zwei Schalen umhüllte 140 Gramm schwere »Überraschungsei«. Foto: M. Unsöld

Abb. 4: Verschiedenfarbige Hühnereier ersparen das Färben zu Ostern. Foto: M. Unsöld

Markus Unsöld (Sektion Ornithologie)

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