Objekt des Monats Juli 2025
Der Rotlori Trichoglossus borneus (L., 1758)
Mit 30 cm Länge und einem Gewicht von 120 g gehört der Rotlori zu den mittelgroßen Papageien. Zwei Unterarten, Trichoglossus b. borneus und T. b. cyanothorus, leben auf den Inseln der Südlichen Molukken (Maluku). Der deutsche Name kommt von der leuchtend roten Grundfärbung, die diese Art zu einem begehrten Ziervogel gemacht hat; als Haustier ist er aber nicht nur wegen seiner lauten, schrillen Rufe und seinen flüssigen Ausscheidungen ungeeignet, sondern auch weil er eher scheu bleibt und sein natürliches Verhalten nur bei fachkundiger Haltung und mit Artgenossen ausleben kann.
Loris werden auch als Pinselzungenpapageien bezeichnet, da ihre lange, schmale Zunge an der Spitze dicht mit Papillen besetzt ist und dadurch an einen Pinsel erinnert. Steckt ein Lori seine Zunge in eine Blüte, dann richten sich diese Papillen auf und nehmen den Nektar auf. Beim Zurückziehen der Zunge in den Schnabel wird der Nektar an Hautfalten im Gaumen ausgedrückt. In schneller Folge wird so Nahrung aufgenommen. Pollen und Nektar machen den Hauptbestandteil der Nahrung aus. Daneben fressen Loris aber auch weiche Früchte und Insekten, die sie in den Blüten finden.
Außerhalb der Brutzeit suchen Rotloris paarweise, in Kleingruppen oder in Schwärmen aus 50 oder mehr Tieren nach Nahrung, meist in blühenden Kirschmyrten (Eugenia sp.) und Korallenbäumen (Erythrina sp.), und sie fliegen dabei auch übers Meer zu benachbarten Inseln. Selbst in Vollmondnächten sind sie aktiv.
Außer dem südamerikanischen Mönchssittich Myiopsitta monachus, der aus Zweigen ein in Bäumen hängendes Gemeinschaftsnest mit mehreren Kammern baut und heute als Neozoon in mehreren Ländern Europas, Süd- und Nordamerikas auftritt, sind alle Papageienarten Höhlenbrüter. Rotloris nutzen sehr hoch gelegene Höhlen in alten Bäumen und bebrüten das aus zwei, maximal drei Eiern bestehende Gelege 26 Tage. Nach dem Schlupf entwickeln sich die Jungen sehr schnell und verlassen nach 7 – 9 Wochen die schützende Nisthöhle.
Unser Exemplar stammt aus der Sammlung des Herzogs von Leuchtenberg, Eugène de Beauharnais (mehr dazu beim OdM Februar 2022), und kam im Jahr 1856 mit fast 4000 anderen Vogelpräparaten in den Vorläufer der ZSM.
4 Fakten über den Rotlori
- Zweimal Lori: Sowohl bei den Papageien als auch bei den Primaten gibt es Loris (siehe OdM September 2024). Beiden gemein ist, dass sie nur in Asien (und die Papageien auch noch in Australien) vorkommen.
- Neubürger: Auf Taiwan existiert eine Rotlori-Wildpopulation, die auf eingeführte Individuen zurückgeht.
- Gesichert: Der Rotlori gilt laut der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet, aber im Bestand abnehmend.
- Weitgereist: Unser Rotlori war vom 9.10.2022 bis zum 09.01.2023 in der Ausstellung »Eugène de Beauharnais. Un prince européen« im Musée National des Château de Bois-Préau zu sehen. Dazu wurde er von einer Spezialfirma verpackt, abgeholt und auch wieder zurückgebracht. Im Katalog zur Ausstellung ist er auf S. 168 abgebildet.
Abbildungen
Abb. 1: Der Rotlori aus der Sammlung der Leuchtenbergs hat die falsche Augenfarbe: rot statt rötlichbraun. Foto: M. Unsöld, ZSM
Abb. 2: Das Präparat mit dem grünen Sockel, den mehrere der Leuchtenberg-Präparate haben. Foto: M. Unsöld, ZSM
Abb. 3: Das Originaletikett auf der Unterseite des Sockels; Eos rubra (J.F.Gmelin, 1788) ist ein Synonym für diese Art. Foto: M. Unsöld, ZSM
Literatur
Arndt, T. (1999) Lexikon der Papgeien. Band 1. Arndt-Verlag, Bretten.
Del Hoyo, J., Elliott, A. & Sargatal, J. eds. (1997) Handbook of the Birds of the World. Vol. 4. Sandgrouse to Cuckooss. Lynx Edicions, Barcelona
Robiller, F. ed. (2003) Das große Lexikon der Vogelpflege. Band 1 A-K. Ulmer, Stuttgart
Markus Unsöld



Foto: R. Kraft
Foto: M. Skoracki