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Gunabopicobia garylarsoni: Holotyp
Foto: M. Skoracki Info Info

Objekt des Monats August 2025

Gary Larsons Federspulmilbe Gunabopicobia garylarsoni

Diesmal steht das Objekt etwas hinter seinem Namenspatron…

Es gibt einen amerikanischen Cartoonisten, den (nicht nur, aber besonders) viele Biologen kennen und lieben, weil in vielen seiner Bildgeschichten biologische Sachverhalte das Thema und oft Tiere (vor allem Insekten, Hunde, Kühe und Dinos) die Hauptprotagonisten sind. Das kommt nicht von ungefähr, denn Gary Larson ist tief im Grunde seines Herzens Zoologe. Zum Glück für die Welt hat er eine andere Laufbahn eingeschlagen, sich ganz aufs Zeichnen konzentriert und Tausende Cartoons geschaffen, die in zahlreichen Tageszeitungen und Magazinen weltweit erschienen und von denen einige großes Aufsehen verursacht haben.

Wie etwa der von einem Schimpansenpaar, bei dem die bebrillte Schimpansin beim Grooming im Fell ihres Gatten ein blondes Haar findet und es mit »Na, da haben wir wohl mit dieser Schlampe Jane Goodall ein bisschen ›Forschung‹ getrieben« kommentiert. Ein Mitarbeiter des Jane Goodall Instituts war tief empört über diese Unverschämtheit und schickte einen bitterbösen Brief an den Zeitungsverbund, mit der Ankündigung von rechtlichen Folgen. Gary war entsetzt, dass er Jane persönlich beleidigt haben könnte, da er sie sehr schätzt. Doch noch bevor er ihr eine Entschuldigung schicken konnte, fragte die National Geographic Society an, ob sie den Cartoon in einer Sonderausgabe ihres Magazins verwenden dürften. Mit dem Hinweis auf den Brief wurde dies abgelehnt, worauf die Society meinte, dass das gar nicht der Jane entspräche, die sie kennen. Und tatsächlich mochte Jane diesen Cartoon sehr und wusste nichts von dem Tumult um ihn. Er erschien schließlich nicht nur in der Sonderausgabe, sondern wurde auch noch auf T-Shirts gedruckt, deren Verkaufserlös an das Jane Goodall Institut ging.

Gary Larson hat auch eine Art biologisches »Erste-Hilfe-Buch« gezeichnet, das mit vielen falschen Naturvorstellungen aufräumt: In seinem genialen »Da ist ein Haar in meinem Dreck« erzählt er die Geschichte einer jungen Frau namens Harriett, die mit naivem Un-Wissen durch die Welt läuft und die Natur schönfärberisch verklärt. Als Gegenpart erklärt Vater Wurm seinem Sohn, wie es sich wirklich verhält, und am Schluss auch, was es mit dem namensgebenden Haar auf sich hat. Ein ideales Buch zum Verschenken oder immer wieder lesen!

Fadenparadiesvogel und Kleinparadiesvogel
Fadenparadiesvogel und Kleinparadiesvogel
2 Federspulmilben, die einen Artwechsel geschafft haben: Gunabopicobia garylarsoni und Picobia frankei
2 Federspulmilben, die einen Artwechsel geschafft haben: Gunabopicobia garylarsoni und Picobia frankei

Erstaunlicherweise wurde Gary vor unserer Milbe nur eine Art gewidmet: Strigiphilus garylarsoni, eine Mallophage oder Beißlaus, die im Gefieder von Eulen parasitiert. Er präsentiert sie formatfüllend in »Die Frühgeschichte der Anderen Seite (170/71)« mit »Und hier ist sie, die Larson Laus. Ich fühle mich ungeheuer geschmeichelt. Außerdem war mir klar, dass mich niemand um Erlaubnis bitten würde, eine neu entdeckte Schwanenart nach mir zu benennen. Bei solchen Gelegenheiten muss man sofort zugreifen«.

Deshalb war unsere Idee, nachdem bisher unbeschriebene Milben in Paradiesvogelbälgen der ZSM gefunden wurden, eine davon Gary Larson zu widmen, mit der Begründung, dass zwar auch diesmal keine neue Schwanenart, aber zumindest die Milbe eines Paradiesvogels nach ihm benannt wird!

Und hier ist sie nun, Gary Larsons Federspulmilbe – als Holotyp auf einem Objektträger (Abb. 1). Sie lebt nicht nur in einer, sondern gleich in zwei Paradiesvogelarten: Über hundert Jahre alte Bälge der ZSM vom Fadenparadiesvogel Seleucidis melanoleucus (Abb. 2 oben) und dem Kleinparadiesvogel Paradisaea minor (Abb. 2 unten) waren Träger derselben bisher neuen Art! Das war eine Überraschung, denn Federspulmilben gelten als wirtsspezifisch, d.h. auf eine Wirtsart oder -gattung spezialisiert.

Doch wie kommt die Milbe von ihrer ursprünglichen auf die neue Wirtsart? Das liegt sehr wahrscheinlich am Sexualverhalten der Paradiesvögel (Paradiesaeidae), die neben den Entenvögeln (Anseriformes) die Meister der zwischenartlichen Fortpflanzung sind und bisher 19 Hybriden hervorgebracht haben, die teilweise fälschlicherweise für neue Arten gehalten und beschrieben wurden. Normalerweise treffen sich die Partner polygyner Arten (ein Männchen paart sich mit einer Reihe von Weibchen) in Balzarenen, und jedes Weibchen wählt das für sie attraktivste Männchen aus. Nach vollzogener Paarung trennen sich die Tiere wieder, und das Weibchen ist für alles, was dann folgt, allein zuständig.

Es wird aber auch beschrieben, dass Paradiesvögel verschiedener Arten in gemischten Schwärmen gemeinsam auf Nahrungssuche durch die Wälder ziehen – und hier besteht wohl die größte Wahrscheinlichkeit, dass es zu schnellen interspezifischen Paarungen kommen kann. Bei dieser Gelegenheit versuchen dann auch die Milben einen Wirtswechsel. Wenn diese Gründertiere es schaffen, sich in die Federspule zu beißen, sich am Leben zu erhalten und fortzupflanzen, dann war der Wechsel erfolgreich und eine neue Wirtsart ist »gekapert« (Abb. 3).

Tatsächlich könnten so auch neue Paradiesvogelarten entstanden sein, wenn der Nachwuchs fertil ist und genügend oft gleichartige Hybriden gezeugt wurden und sich untereinander vermehren.

Brief von Gary Larson
Brief von Gary Larson
Prof. Maciej Skoracki
Prof. Maciej Skoracki

Gary Larson schickte einen sehr netten, humorigen Brief (Abb. 4) zurück und erwähnt seine Milbe mit Stolz auch auf seiner Homepage.

Am 14. August 2025 wird Gary Larson 75 Jahre alt – lieber Gary, wir wünschen dir ein langes Leben, ganz viel Gesundheit, Freude… und nach Mallophage und Milbe vielleicht doch noch einen Nicht-Parasiten als »Patenkind«.

4 Fakten über Federspulmilben und ihre Namenspaten

  • Wie schnell wechselt die Milbe auf den neuen Wirtsvogel? Hochsoziale Vogelarten, die viel Zeit in Kontakt mit Artgenossen verbringen, sind für dieses Thema ungeeignet. Bei den polygynen Paradiesvögeln, die nur kurz zur Paarung Körperkontakt haben, wird deutlich, dass der Wechsel sehr schnell erfolgen muss. Von einer befallenen Mutter können die Milben dann auf ihre Jungen übergehen. Bei brutparasitierenden Arten wie dem Kuckuck Cucculus canorus fällt auch dieser Übertragungsweg weg, und es bleibt nur noch die Paarung, die meist nur Sekunden dauert. Wie es befruchtete Weibchen schaffen, innerhalb von so kurzen Zeiträumen den Wirtsvogel zu wechseln, oder ob vielleicht andere Stadien zur Verbreitung genutzt werden, ist bisher unbekannt.
  • Paradiesvogel-Federspulmilben: Außer unserem OdM wurden noch weitere Arten entdeckt und beschrieben, darunter die Dr. Thassilo Franke gewidmete Picobia frankei und Sir David Attenboroughs Syringophiloidus attenboroughi.
  • Wechselhafte Beziehungen:Picobia frankei hat sogar den Wechsel zwischen der polygynen Gattung Lophorina und der monogamen Gattung Manucodia geschafft; dabei hat sich wahrscheinlich ein Lophorina-Weibchen mit einem Manucodia-Männchen eingelassen, denn Lophorina-Weibchen brüten allein, während die Manucodia-Weibchen ein Männchen zur Brut und Aufzucht der Jungen brauchen.
  • Humor haben unsere beiden Federspulmilben-Namenspaten, wie auch ihre Reaktion auf ihre Patenarten zeigt:
     
    Jane Goodall hat ihre Milbe (unser Objekt des Monats Mai 2023) mit »Warum wird eine blutsaugende Milbe nach mir benannt, wo ich doch Vegetarierin bin?« und »Die Arten, die nach mir beschrieben werden, werden immer kleiner« schmunzelnd übernommen.
     
    Gary Larson freut sich über seine Milbe mit Geschmack in Bezug auf ihre Wirte: Während die Mallophage sich mit einer Eule begnügt, geht die Syringophilide gleich aufs Ganze und parasitiert in Paradiesvögeln.

Abbildungen

Abb. 1: Der im Magazin der Sektion Arthopoda varia hinterlegte Holotyp der neuen Art Gunabopicobia garylarsoni… (Foto: M. Skoracki)

Abb. 2: …und ihre Wirte, der Fadenparadiesvogel Seleucidis melanoleucus und der Kleinparadiesvogel Paradisaea minor. (Foto: M. Unsöld, ZSM)

Abb. 3: Zwei Federspulmilben, die den Wechsel auf eine andere Art geschafft haben.

Abb. 4: Gary Larsons Brief

Abb. 5: Ein überglücklicher Forscher: Prof. Maciej Skoracki kurz nach der Entdeckung einer neuen Federspulmilbenart beim Carolinasittich (OdM Mai 2024) (Foto: M. Unsöld, ZSM)

Literatur

Larson, G. (1991) Die Frühgeschichte der Anderen Seite. Goldmann Verlag, München

Sikora B, Unsoeld M, Melzer R R, Friedrich S, Skoracki M (2023) First Records of Picobiine Mites associated with Birds-of-Paradise: Can Interspecific Sexual Behaviour of Hosts Play a Role in the Distribution of Quill Mite Parasites? Animals 2023, 13(9), 1509-1520; https://doi.org/10.3390/ani13091509

Skoracki M, Sikora B, Unsoeld M, Hromada M, Kwieciński Z (2024) New insights into the relationship of parasitic quill mites and birds: Picobia species in Asian and New World Barbets. The European Zoological Journal 2024, 91(2), 817-829; https://doi.org/10.1080/24750263.2024.2371843

Markus Unsöld, Bozena Sikora & Maciej Skoracki

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