Objekt des Monats September 2025

Der Große Paradiesvogel Paradisaea apoda (L., 1758)

Nachdem unser August-Objekt eine Paradiesvögel parasitierende Milbe war, geht es jetzt um einen der potenziellen Wirte – den Großen Paradiesvogel (Abb. 1). Tatsächlich ein wundervoller Vogel wie aus dem Paradies – doch der Name leitet sich nicht von der Schönheit her, sondern nimmt Bezug auf den von Carl von Linné vor 267 Jahren aufgestellten Artnamen apoda dieser Art, der »fußlos« bedeutet.

Merkwürdig, wenn man sich die kräftigen »Krähenfüße« der Paradiesvögel ansieht. Doch die ersten dieser sagenumwobenen Vögel kamen tatsächlich als beinlose Bälge nach Europa. Und dies wurde von den Wissenschaftlern damals als charakteristisches Merkmal angesehen. Sie mussten daher in paradiesischen Zuständen leben, sich praktisch dauernd schwebend oder fliegend im Luftraum bewegen – daher wurden sie auch als »Lufftvögel« bezeichnet – , Regen trinken, das Weibchen auf dem Rücken des Männchens brüten, und erst nach dem Tod den Boden berühren.

Auf Papua-Neuguinea wurden Paradiesvögel schon lange als Schmuck verwendet – und zwar von den Männern. Vermutlich waren es solche als Zierde verwendeten Bälge, die nach Europa kamen, mit ihrer Beinlosigkeit Verwirrung stifteten und zu heute lächerlich erscheinenden Theorien führten.

Auch in der ornithologischen Sammlung der ZSM befinden sich leider undatierte (scheinbar) fußlose Paradisaea-Bälge (Abb. 2). Ein krasser Gegensatz dazu ist ein besonders kurioses Standpräparat, das nur aus Beinen zu bestehen scheint (Abb. 3).

5 Fakten über Paradiesvögel

  • Spektakuläre Arenabalz: Alle Paradisaea-Arten und viele andere Paradiesvögel stellen sich in Balzarenen (Leks) der Aufmerksamkeit paarungsbereiter Weibchen, die sich den attraktivsten Vater für ihren Nachwuchs aussuchen.
  • Blaublütig: Im Jahre 1885 benannten Finsch und A. B. Meyer den Blauen Paradiesvogel Paradisornis rudolphi zu Ehren von Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn, Sisis Sohn, für seinen Schutz der Vogelforscher weltweit; er war nämlich ornithologisch sehr interessiert. Im selben Jahr widmeten sie seiner Ehefrau Stephanie von Belgien die Stephanie-Paradieselster Astrapia stephaniae.
  • Modetrend: Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts trugen die Damen von Welt Federn bzw. Vogelbälge am Hut. Neben den Schmuckfedern weißer Reiherarten waren Paradiesvögel besonders begehrt. Diesem perversen Feder-Trend verdanken wir die Gründung der Vogelschutzverbände, die sich erfolgreich gegen das Töten von hunderttausenden Vögeln pro Jahr für stark machten.
  • Wahre Lüge: Antonio Pigafetta war ein italienischer Ordensritter, der an der ersten Weltumseglung (1519-1522) unter Ferdinand Magellan und Juan Sebastián Elcano als Chronist teilnahm. In der über 100 Jahre nach Gessners Tod erschienenen Auflage seines Vogelbuchs (1669) wird über ihn berichtet, dass er »ganz fälschlich und unrecht sagt, dass dieser Vogel einen langen Schnabel und Bein einer zwerch Hand lang habe«. Tatsächlich hat Pigafetta bereits hunderte Jahre vor der Richtigstellung die entscheidende Beobachtung gemacht.
  • Paradiesvogel-Alternativen: In Europa wurden der Eisvogel (Italien) und der Wiedehopf (Venezien) als Paradiesvögel bezeichnet.

Abbildungen

Abb. 1: Bei dem als Paradisaea apoda raggiana etikettierten Balg aus dem Alten Museum handelt es sich um den Raggiparadiesvogel Paradisaea raggiana, auch als Raggis Großer Paradiesvogel bekannt. Foto: M. Unsöld, ZSM

Abb. 2: Ein aus Neuguinea stammender Paradisaea raggiana ohne nähere Funddaten – und mit in den Balg gesteckten abgetrennte Füßen. Foto: M. Unsöld, ZSM

Abb. 3: Ein Kleiner Paradiesvogel Paradisaea minor, der nicht von einem Meister seines Fachs präpariert wurde. Foto: M. Unsöld, ZSM

Literatur

Fuller, E. (1995) The Lost Birds of Paradise. Swan Hill Press, Shrewsbury

Gessner, C. (1557) Vogelbuch. Christoffel Froschouer, Zürich.

Del Hoyo, J. ed. (2020) All the Birds of the World. Lynx Edicions, Barcelona

Markus Unsöld