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Rebhuhn: Bronze und Dermoplastik nebeneinander
Foto: M. Unsöld, ZSM Info Info

Objekt des Monats Januar 2026

Rebhuhn Perdix perdix (Linné, 1758)

Vogel des Jahres 2026! Endlich wird dem Rebhuhn die Aufmerksamkeit geschenkt, die es verdient. Das kleine Feldhuhn, das früher sehr häufig und jedem Kind als Beute des »Gestiefelten Katers« bekannt war, ist in Europa mittlerweile selten geworden. Es gehört innerhalb der Ordnung Hühnervögel (Galliformes) zur großen und farbenprächtigen Familie der Fasanenartigen (Phasianidae), weist aber – anders als die meisten Vertreter dieser Familie – nur einen geringen Geschlechtsdimorphismus auf. Von nahem erscheinen Rebhühner vor allem durch ihr orangebraunes Gesicht und Kehle und die kastanienbraune Flankenbänderung im Kontrast zum Grau von Hals, Brust und Bauch sehr auffällig, aber tatsächlich sind sie im Gelände mit ihrem Tarngefieder meist schwierig zu entdecken.

Das Rebhuhn ist genügsam und frosthart. Der ursprüngliche Steppenbewohner ist von Europa bis Mittelsibirien heimisch und war bei uns einst ein Charaktervogel offener, eher trockener Ackerbaugebiete. Auch Wiesen und Heiden waren lange Zeit ein geeigneter Lebensraum für den Kulturfolger. Der Intensivierung der Agrarwirtschaft haben sie jedoch wenig entgegenzusetzen und gehören daher wie der Kiebitz zu den am stärksten abnehmenden Vogelarten: innerhalb von 24 Jahren gingen die Bestände um fast 90% zurück.

Für diesen drastischen Rückgang werden drei Hauptursachen verantwortlich gemacht:

  • Der Einsatz von Pestiziden als Praxis moderner Landwirtschaft reduziert die Anzahl und Vielfalt an Insekten. Deshalb finden Rebhuhnküken, die in den ersten Lebenswochen fast ausschließlich Wirbellose fressen, nicht ausreichend Nahrung. Auch Herbizide führen indirekt dazu, dass weniger Insekten und folglich weniger Feldvögel in unserer heutigen Agrarlandschaft leben (Rands 1985): Sie beseitigen Ackerbeikräuter und zerstören damit Lebensgrundlage vieler Wirbelloser.
  • Die ehemals kleinräumig strukturierte Agrarlandschaft ist durch die Industrialisierung der Landwirtschaft und Flurbereinigung deutlich strukturärmer geworden. Rebhühner sind jedoch auf Brachen, Feldraine, Gebüschsäume oder Blühflächen als Versteckmöglichkeit angewiesen, insbesondere während der Brutzeit (Rands 1986).
  • Die intensive Bewirtschaftung führt dazu, dass Rebhühner sich in die verbleibenden unbewirtschafteten Strukturen zurückziehen. Diese Landschaftselemente sind jedoch gefährliche Lebensräume: Prädatoren suchen die wenigen Gebüschreihen, Wegränder oder Blühstreifen systematisch nach Beute ab. Der größte Fressfeind des Rebhuhns, der Fuchs, hat sich in seinem Bestand seit 1980 verdreifacht (WILD 2018). Auch aus diesem Grund werden die Kontakt- und Balzrufe »kierr-IK« oder »tschirr-rebb« kaum noch gehört.

Unser Objekt des Monats Januar ist diesmal eine Kombination aus Präparat und Bronzeplastik. Die Dermoplastik stammt aus der ehemaligen Lehrsammlung der LMU für den Artenvielfalt Zoologie-Kurs und wurde während des Umzugs in den neuen Campus Martinsried aussortiert. Die Bronze ist ein Werk von Prof. Wilhelm Krieger (1877 – 1945), einem Bildhauer aus Herrsching, der für seine streng stilisierten und trotzdem außerordentlich lebensechten Plastiken bekannt ist. Seine Schwiegertochter hat viele davon der ZSM vermacht, damit sie nach ihrem Tod nicht in alle Winde zerstreut werden. Im Jahr 2015 waren sie ein bedeutender Teil einer Ausstellung in der ZSM.

5 Fakten zum Rebhuhn

  • »Rufname«: Das Rebhuhn verdankt seinen Namen den scharfen, kurzen Rufen beim Auffliegen, die wie »reb-reb-reb« tönen.
  • Neben dem Rebhuhn gibt es noch zwei weitere Arten der Gattung Perdix: Das Bartrebhuhn P. dauurica und das Tibetrebhuhn P. hodgsoniae mit jeweils drei Unterarten.
  • Konvergente Entwicklung: Als die nächsten Verwandten der Rebhühner werden nicht etwa die ähnlich erscheinenden Steinhühner der Gattung Alectoris oder Wachteln (Unterfamilie Pavoninae) angesehen, sondern die Fasane, Trut- und Raufußhühner (Unterfamilie Phasianinae). Insofern lag Carl von Linné gar nicht so falsch, als er das Rebhuhn im Jahre 1758 als Tetrao perdix beschrieb. Die Ähnlichkeit der oben genannten kleinen Hühnervogelarten hat sich durch ihre Anpassung an einen offenen Lebensraum entwickelt, die in beiden Unterfamilien zu einem ähnlichen Erscheinungsbild und Verhalten geführt hat.
  • Bedingt wetterfest: Nasskaltes Sommerwetter führt zu erhöhter Kükensterblichkeit, und auch zu lange und schneereiche Winter haben Bestandseinbrüche zur Folge. In warmen Sommern können Rebhühner dies durch große Gelege wieder ausgleichen – in einem Nest wurden 22 Eier gefunden!
  • Freilandforschung: Deutschlandweit setzen sich seit 2023 bei den Rebhuhn-Zählungen der Ornithologen verstärkt zahlreiche Ehrenamtliche innerhalb und außerhalb des Projekts »Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!« für den bedrohten Vogel in der Agrarlandschaft ein. Auch 2025 folgten wieder zahlreiche Engagierte dem gezielten Aufruf zur Kettenzählung (mindestens zwei Rebhühner pro Meldung) im Spätsommer und Herbst – bereits zum dritten Mal in Folge. Zwischen dem 15. August und dem 10. Oktober wurden insgesamt 1084 Rebhuhn-Ketten gemeldet.

Abbildungen

Abb. 1: Bronze von Wilhelm Krieger und die Dermoplastik aus der Sammlung. Foto: M. Unsöld, ZSM

Literatur

Del Hoyo, J., Elliott, A. & Sargatal, J. eds. (1996) Handbook of the Birds of the World. Vol. 2. Hoatzin to Auks. Lynx Edicions, Barcelona

Richarz, K., Bezzel, E., Hormann, M. (Ed.) (2001) Taschenbuch für Vogelschutz. Aula Verlag, Wiebelsheim

Wember, V. (2017) Die Namen der Vögel Europas. 3., überarbeitete Auflage. Aula-Verlag, Wiebelsheim

Manfred Siering & Markus Unsöld

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