Objekt des Monats Februar 2026
Sulawesi-Hirscheber Babyrousa celebensis (Deninger, 1909)
Die Insel Sulawesi liegt in der Wallacea, dem Übergangsgebiet zwischen asiatischer und australischer Fauna, und ist ein Hotspot der Biodiversität mit vielen Endemiten. Dazu zählen auch die drei wie Fabelwesen aussehenden Wildschweinarten der Gattung Babyrousa. Der deutsche Name »Hirscheber« leitet sich von den durch die Schnauze nach oben wachsenden Eckzähnen der Männchen ab, die aber eher an Hörner als an ein Geweih erinnern. Auch seine faltige, wenig behaarte Haut, die relativ langen Beine und die sehr hellen Augen machen den Sulawesi-Hirscheber zu einer auffälligen Tierart, die man nur in wenigen Zoos zu sehen bekommt.
Sulawesi-Hirscheber waren ursprünglich auf fast ganz Sulawesi verbreitet. Gut untersucht ist aber lediglich die Population im Norden. Sie bewohnen hauptsächlich die tropischen Regenwälder und ernähren sich omnivor wie die meisten Schweinearten. Wilde Hirscheber wurden dabei beobachtet, dass sie selbst hartschalige Nüsse mit ihren kräftigen Kiefern knacken und Früchte nicht nur vom Boden auflesen, sondern auch auf den Hinterbeinen stehend direkt vom Baum pflücken. Aus Zoohaltung ist bekannt, dass sie neben pflanzlicher Nahrung auch kleine Säuger und Vögel erbeuten.
Die für Schweine sehr geringe Reproduktionsrate deutet darauf hin, dass Babirusas kaum natürliche Feinde zu fürchten haben; nur Krokodile und Pythons stellen eine Gefahr für sie dar.
Mit dem Auftreten des Menschen hat sich das geändert. Zwar ist heute die Mehrzahl der Einwohner muslimisch und daher nicht an Schweinefleisch interessiert, aber Hirscheber werden als Nahrungsmittel für die christlichen Märkte in Nord-Sulawesi gejagt. Vor einigen Jahren kam eine neue Bedrohung dazu, welche das Potenzial hat, nicht nur die Bestände der Hirscheber, sondern aller südostasiatischen Wildschweinarten auszulöschen…
Bei unserem Objekt des Monats handelt es sich um den Schädel eines männlichen Sulawesi-Hirschebers, der von I. Zickmund am 24. März 1950 auf Sulawesi (damals noch Celebes) gesammelt und im selben Jahr als 64.Präparat in die Sammlung Mammalia aufgenommen wurde. Zu dieser Zeit galt er noch als Unterart des Molukken-Hirschebers B. babyrussa. Die eindrucksvollen Eckzähne des Oberkiefers verlaufen parallel zueinander und sind in Richtung Auge gekrümmt, die des Unterkiefers sind mächtig ausgebildet.
6 Fakten über Hirscheber
- Lebende Fossilien: Die Gattung Babyrousa hat sich laut phylogenetischen Studien bereits im Miozän, vor etwa 10 bis 19 Millionen Jahren, von den anderen Schweinen abgespalten.
- Eckzähne sind das typische, unverwechselbare Merkmal der männlichen Hirscheber. Die unteren Eckzähne wachsen seitlich an der Schnauze vorbei nach oben und sind vom Wuchs her bei allen drei Arten ähnlich ausgebildet. Die oberen Eckzähne wachsen durch die Schnauze nach oben. Während sie beim Togian-Hirscheber kurz und nach vorne gebogen nach oben wachsen, sind sie bei den beiden anderen Arten sehr lang und nach hinten Richtung Schädel gekrümmt. Im Gegensatz zum Molukken-Hirscheber überkreuzen sich die unteren und oberen Eckzähne bei seitlicher Betrachtung beim Sulawesi-Hirscheber in der Regel nicht und sind meist kräftiger ausgebildet.
- Reproduktion: Empfängnisbereit sind die Weibchen alle 35 – 37 Tage für 2 – 3 Tage; Jungtiere können daher das ganze Jahr über zur Welt kommen, zwei Würfe pro Jahr sind möglich. Obwohl die Tragzeit bis zu sechs Wochen über der von Wildschweinen der Gattung Sus liegt, sind die Ferkel bei der Geburt kleiner und wiegen nur 800g. Normalerweise besteht ein Wurf aus ein bis zwei, seltener drei Jungtieren.
- Neue Gefahr: Bisher wurde der Sulawesi-Hirscheber von der IUCN als gefährdet (vulnerable) eingestuft. Insbesondere im Norden und im Zentralteil der Insel waren die Bestände durch die Zerstörung ihres Lebensraumes aufgrund von illegalen Goldschürfungen, Holzeinschlag und Brandrodungen sowie durch Wilderei stark gefährdet. Die Fleischjagd galt als Hauptbedrohung für diese Art. Vor einigen Jahren kam mit der Afrikanischen Schweinepest eine existenzielle Bedrohung dazu. Seit 2023 wurden keine wildlebenden Sulawesi-Hirscheber mehr gesichtet, und bei anderen Wildschweinarten der Region sieht es leider ähnlich aus. Deshalb hat die IUCN/SSC Wild Pigs Specialist Group vor wenigen Tagen beschlossen, alle südostasiatischen Schweinearten als vom Aussterben bedroht (critically endangered) hochzustufen.
- Die Afrikanische Schweinepest ist eine Virusinfektion, die ausschließlich die Echten Schweine der Familie Suidae betrifft und fast immer zum Tod der infizierten Tiere führt. Am Friedrich-Loeffler-Institut wird derzeit an der Entwicklung eines Impfstoffs geforscht. Über Bush Meat gelangte das Virus von Afrika nach Europa und breitete sich über Schweine und Schweineprodukte auch nach Asien aus. Es ist nicht verwandt mit dem der Europäischen Schweinepest und weniger ansteckend, kann aber in Trockenfleisch 300 Tage und in gefrorenem Fleisch sogar 1000 Tage überdauern und stellt damit über lange Zeit eine Infektionsgefahr dar. Eine Infektion erfolgt über Kontakt von Tier zu Tier oder mit Körperflüssigkeiten, durch Aufnahme mit der Nahrung oder über Bisse einiger infizierter Zeckenarten. Für Menschen ist der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch völlig unbedenklich.
- Schwein gehabt: Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) kümmert sich hauptsächlich um die Erhaltung von wenig bekannten, aber stark bedrohten Arten und hat auch Projekte für den Sulawesi-Hirscheber und den Togian-Hirscheber aufgebaut.
Abbildungen
Abb. 1: Der Sulawesi-Hirscheber gehört heute zu den bedrohtesten Säugern der Welt. Foto: Roland Wirth, ZGAP
Abb. 2+3: Ein Schädel wie von einem Fabelwesen: Sulawesi-Hirscheber. Foto: M. Unsöld, ZSM
Literatur
Burgin, C.J., Wilson, D.E., Mittermeier, R.A., Rylands, A.B., Lacher, T.E. & Sechrest, W. (2020) Illustrated Checklist of the Mammals of the World. Vol. 2: Elipotyphla to Carnivora. Lynx Edicions, Barcelona.
Wilson, D.E. & Mittermeier, R.A. eds. (2011) Handbook of the Mammals of the World. Vol. 2: Hoofed Mammals. Lynx Edicions, Barcelona.
Markus Unsöld



Foto: M. Unsöld, ZSM
Foto: M. Unsöld, ZSM