Objekt des Monats April 2026

Südafrikanischer Springhase Pedetes capensis (Forster, 1778)

Einen Osterhasen sucht man in den Magazinen der ZSM vergeblich… Die beiden Arten der Springhasen sind ebenso skurrile Gestalten, aber tatsächlich existierende Tiere. Eigentlich erinnern sie eher an riesige Springmäuse – zu denen sie anfangs gezählt wurden – oder winzige Kängurus als an Hasen.

Springhasen haben eine Kopf-Rumpf-Länge von 35 – 45 cm, der Schwanz ist etwa genauso lang. Mit einem Gewicht von drei bis vier Kilogramm sind sie eine lohnende Beute für Prädatoren wie Schakale, Kleinkatzen, Schleichkatzen, Iltisse, Schlangen, große Greife und Eulen. Greifvögeln entziehen sie sich durch die nächtliche Lebensweise, den anderen durch ihr gewaltiges Sprungvermögen und die Anlage von weitverzweigten Tunnelsystemen mit mehreren Ausgängen. Die kurzen Vorderextremitäten sind zu effektiven Grabwerkzeugen umgewandelt, mit denen sich jedes Individuum ein im Schnitt 42 Meter langes verzweigtes Röhrensystem 70 bis 120 cm unter der Oberfläche anlegt. Als morphologische Anpassung an die rege Grabtätigkeit sind die 7 – 9 cm langen Ohren entlang der Mittellinie faltbar und die Nasenöffnung ist verschließbar; so wird das Eindringen von Partikeln beim Bauen verhindert. Die kräftigen, zu Sprungbeinen umgewandelten Hinterextremitäten erlauben Fluchtsprünge von bis zu sechs Metern!

Normalerweise bewegen sich Springhasen bei der Nahrungssuche hoppelnd wie ein Hase und über längere Strecken mit bis zu drei Meter weiten Sprüngen durch die afrikanische Nacht. Sie bewohnen semiaride und aride Gebiete und verbringen die heißen Tage in ihrem ausgedehnten Tunnelsystem. Obwohl sie ihre Baue allein bewohnen, sind sie an der Oberfläche häufig in lockeren Gruppen von bis zu 6, in Ausnahmefällen auch bis zu 40 Tieren unterwegs – viele Augen, Ohren und Nasen entdecken einen Prädator sicherer und schneller. Als überwiegende Vegetarier ernähren sie sich von Gräsern, Kräutern, Früchten, Wurzeln und Knollen; aber auch Käfer und Heuschrecken werden ab und zu verzehrt. Bevorzugt halten sie sich in der Nähe eines Zugangs zu ihrem unterirdischen Gangsystem auf, um dort bei Gefahr blitzschnell zu verschwinden.

Bis zu viermal im Jahr können die Weibchen trächtig werden und bekommen meist nur ein Jungtier, das nach einer Tragzeit von 11 Wochen mit 10% des Erwachsenengewichts bereits weit entwickelt und voll behaart zur Welt kommt und nach drei Tagen die Augen öffnet. Mit vier Tagen ist es bereits in der Lage, sich biped fortzubewegen, verlässt aber erst mit sieben Wochen den Bau der Mutter. Die geringe Fortpflanzungsrate im Vergleich zu vielen anderen Nagern zeigt, dass die Anpassungen der Springhasen sich positiv auf die Überlebenswahrscheinlichkeit auswirken. Die Weibchen sind bis zum Alter von sieben Jahren fortpflanzungsfähig, können aber zumindest in Gefangenschaft ein Alter von 13 Jahren erreichen.

Bei unserem Objekt des Monats handelt es sich um ein im März 1997 von einem »Hobbyjäger« bei Okaduka Seibe, 80 km westlich von Windhoek (Namibia) geschossenes Tier, das alle notwendigen Papiere und Fundortdaten besitzt. Ohne diese Daten wäre es für die Sammlung wertlos, da es nur damit für wissenschaftliche Fragestellungen verwendet werden kann.

5 Fakten über Springhasen

  • Springhasen (Petauridae) sind eine kleine, aus nur zwei rezenten Arten bestehende Familie. Neben dem hier vorgestellten Südafrikanischen Springhasen ist es noch der in Kenia und Tansania vorkommende Ostafrikanische Springhase Pedetes surdaster, der sich kaum unterscheidet und lange als Unterart galt.
  • Skurrile Verwandtschaft: Die nächsten Verwandten der Springhasen sind die Dornschwanzhörnchen (Anomalurinae), die sich nicht springend, sondern gleitend fortbewegen. Zwischen Vorder- und Hinterextremitäten und dem langen Schwanz ist eine Gleithaut ausgebildet, mit dem die Tiere ähnlich wie Gleitbeutler (Acrobatidae, Pseudocheiridae), Gleitflieger (Cynocephalidae) und Flughörnchen (Sciuridae) durch die Luft segeln, um von Baum zu Baum zu wechseln oder Feinden zu entkommen.
  • Ökosystem-Ingenieur: Trotz seiner geringen Größe gestaltet der Springhase seine Umgebung. Seine ausgedehnten Wohnröhren dienen zahlreichen anderen Reptilien und Säugern als Versteck oder Wohnhöhle.
  • Falscher Hase: Neben den zu den Nagern (Rodentia) zählenden Springhasen tragen noch einige andere Tierarten den Namen »Hase« in ihrem Namen, die mit den Hasenartigen (Lagomorpha) nicht das Geringste zu tun haben: Die Seehasen – ein Name, der sowohl für eine Fischfamilie (Cyclopteridae) als auch für die Meeresschneckengattung Aplysia verwendet wird und zeigt, wie wichtig die wissenschaftlichen Namen sind.
  • Springlebendig: Beide Springhasenarten gelten bisher als nicht gefährdet. Das liegt wohl einerseits an der Nachtaktivität als auch an ihrem unwirtlichen Habitat.

Abbildungen

Abb. 1: Der Springhase hätte in den Gängen der ZSM eine ideale »Rennstrecke«. Foto: M. Unsöld, ZSM

Literatur

Burgin, C.J., Wilson, D.E., Mittermeier, R.A., Rylands, A.B., Lacher, T.E. & Sechrest, W. (2020) Illustrated Checklist of the Mammals of the World. Vol. 2: Elipotyphla to Carnivora. Lynx Edicions, Barcelona.

Grzimek, B. Ed. (1988) Grimeks Enzyklopädie Säugetiere. Band 3. Kindler Verlag, München.

Wilson, D.E., Lacher, T.E., Jr & Mittermeier, R.A. eds. (2016) Handbook of the Mammals of the World. Vol. 6: Lagomorphs and Rodents I. Lynx Edicions, Barcelona.

Markus Unsöld