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Der Typus von Anodorhynchus maximiliani
Foto: M. Unsöld, ZSM Info Info

Objekt des Monats Mai 2026

Hyazinthara Anodorhynchus hyacinthinus (Latham, 1790)

Am 13. Mai 1826 starb Johann Baptist Ritter von Spix in München. Er war erster Kurator des Vorgängers der ZSM und als Zoologe bei der historischen Brasilien-Expedition 1817 – 1820. Ihm ist dieses Objekt des Monats gewidmet.

Der Kakapo ist zwar der schwerste, aber nicht der größte rezente Papagei: Mit einer Länge von einem Meter von der Schnabelspitze bis zum Ende der mittleren Stoßfedern hält der kobaltblaue Hyazinthara diesen Titel. Gleichzeitig besitzt er auch den größten und stärksten Schnabel aller rezenten Papageien.

Hyazintharas sind die häufigsten der drei Blauaras. Sie kommen noch in drei isolierten Verbreitungsgebieten in Brasilien, dem äußersten Nordosten Paraguays und in Ost-Bolivien vor. Meist sind sie zur Nahrungssuche paarweise, in Familiengruppen oder Kleingruppen mit bis zu 12 Tieren unterwegs. Mit ihren ungemein kräftigen Schnäbeln knacken sie hartschalige Samen sowohl direkt am Baum als auch am Boden.

Abbildung von Anodorhynchus maximiliani im Spix’schen Vogelbuch
Abbildung: Spix’sches Vogelbuch, Foto: M. Unsöld, ZSM Info Info

Hyazintharas bilden nach einer Kennenlernphase wie viele andere Großpapageien lebenslang monogame Paare. Zur Brut legen sie meist in Palmstämmen voluminöse Höhlen an. Das Weibchen legt zwei, seltener drei Eier und bebrütet sie 27 – 30 Tage. Meist wir nur einer der Jungvögel flügge, der seine Eltern bis zu 18 Monate begleitet und dabei viel von ihnen lernt. Geschlechtsreif werden Hyazintharas mit etwa sechs Jahren. In der Wildnis beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung 25 Jahre, in menschlicher Obhut können sie 50 Jahre und mehr erreichen.

Bei unserem Objekt des Monats handelt es sich um das Typusexemplar von Anodorhynchus maximiliani Spix, 1824, das während der Brasilien-Expedition 1817 – 1820 gesammelt wurde. Spix beschrieb die Art zu Ehren des Königs, der die Reise finanziert hatte. Heute ist dieser Name ein Synonym für den Hyazinthara Anodorhynchus hyacinthinus. Als Arara hyacinthinus bestimmte er den sehr viel kleineren, später von Wagler nach ihm benannten Spixara Cyanopsitta spixii (Wagler, 1832), unser erstes Objekt des Monats. Spix wusste vom Hyazinthara, und in dessen Beschreibung wird erwähnt, dass er in der Größe dem Ararauna oder Gelbbrustara gleiche. Davon ist der Spix-Ara weit entfernt. Es ist daher nicht auszuschließen, dass Spix dem König lieber den großen, dunkelblauen Ara widmen wollte als die zwar neue, aber viel kleinere und farblich unscheinbarere Art.

Allerdings scheint Spix die Unterschiede des Hyazintharas zu den anderen großen Ara-Arten erkannt zu haben und hat mit seinem Exemplar die noch heute gültige Gattung Anodorhynchus für die drei großen Blauaras aufgestellt.

3 Fakten über Blauaras

  • Der Letzte seiner Gattung: Anodorhynchus könnte bald der Hyazinthara sein, denn vom Lear-Ara A. leari leben noch maximal eintausend Tiere, und der Meerblaue Ara A. glaucus wurde zuletzt im Jahr 1950 in Uruguay nachgewiesen. Mit 1200 – 1450 (1700) g ist der Hyazinthara nicht nur größer und bis zu ein Drittel schwerer als die beiden anderen Arten (68 – 75 cm, ca. 950 g), sondern auch durch sein einheitlicheres Blau und die schmaleren gelben Hautlappen an der Basis beiderseits des Unterschnabels gut zu unterscheiden.
  • Der Einfluss des Menschen: Allgemein werden Lebensraumzerstörung, Jagd und Fang für den illegalen Wildvogelhandel als größte Gefahr für die Blauaras angesehen. Tatsächlich wurde der Wildbestand des Hyazintharas von 1970 bis 1990 auf 3.000 Tiere dezimiert; allein in den 1980er Jahren wurden geschätzte 10.000 Tiere illegal gefangen und verkauft. 2025 sollen es wieder 4.700-11.000 Wildvögel sein, was deutlich zeigt, wie langsam sich diese Art erholt.
    Helmut Sick, der mit zwei weiteren Ornithologen erst 1978 das natürliche Vorkommen des Lear-Aras für die Wissenschaft entdeckte, vermutet für diese Art und das Aussterben von A. glaucus eine andere Bedrohung: Inzucht. Je kleiner die Population, desto häufiger können sich Gendefekte verbreiten. Sick weist auf Federbildungsdefekte hin, die nach heutigem Wissen aber auch durch eine Infektion mit Circoviren verursacht sein können, wie dies aktuell beim Spix-Ara der Fall war. Aber auch dies ist durch den Menschen verursacht: durch Lebensraumzerstörung und Nachstellung schwinden die Bestände und werden anfälliger für andere Gefahren.
  • Harte Koevolution: Viele Pflanzen lassen sich durch Tiere verbreiten, indem sie schmackhaftes Fruchtfleisch und hartschalige Samen ausbilden, die den Verdauungstrakt unbeschadet überstehen, um an einem anderen Ort ausgeschieden zu werden und dort zu keimen. Vögel sind durch ihr Flugvermögen die idealen Verbreiter. Aber einige Vogelgruppen haben sich auf Samen spezialisiert, was im Lauf der Evolution zu immer härteren Schalen und immer kräftigeren Schnäbel geführt hat. Die Blauaras sind mit ihren massiven Schnäbeln die bisherigen Sieger dieses Wettrüstens und können auch die härteste Nuss noch knacken.

Abbildungen

Abb. 1: Der Typus von Anodorhynchus maximiliani, dorsale und ventrale Ansicht. Foto: M. Unsöld, ZSM

Abb. 2: Die Abbildung aus dem Spix’schen Vogelbuch. Foto: M. Unsöld, ZSM

Literatur

Arndt, T. (1999) Lexikon der Papageien. Band 3. Arndt Verlag, Bretten.

Del Hoyo, J., Elliott, A. & Sargatal, J. eds. (1997) Handbook of the Birds of the World. Vol. 4. Sandgrouse to Cuckoos. Lynx Edicions, Barcelona

Forshaw, J. M. (1993) Parrots of the World. An identification Guide. Princeton University Press, Princeton, New Jersey

Sick, H. (2006) Birds in Brazil. A Natural History. Princeton University Press, Princeton and Oxford

Markus Unsöld

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