Objekt des Monats Juli 2026
Wegekuckuck Geococcyx californianus (Lesson, 1829)
Meep, meeeeep! Das sind die einzigen Töne, welche die Cartoon-Figur Road Runner beherrscht. Dafür entkommt der schräge Vogel sämtlichen Finten und Fallen seines Widersachers Wile E. Coyote, der jedes Mal den Kürzeren zieht, wenn er dem gefiederten Leckerbissen nachstellt und sich dabei selbst austrickst…
Die Vorlage dazu lieferte der nordamerikanische Wegekuckuck oder Greater Roadrunner, der eine Gesamtlänge von bis zu 56 cm erreicht. Obwohl er flugfähig ist, hält er sich meist am Boden auf und macht seinem englischen Namen mit Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h alle Ehre. Wie bei allen Kuckucken zeigen die beiden äußeren Zehen nach hinten, die beiden inneren nach vorne (zygodactyl), was ihn beim schnellen Lauf ebenso wie die langen, zur Steuerung eingesetzten Stoßfedern sehr unterstützt (Abb. 1).
Wegekuckucke sind Opportunisten, die Steppen, Halbwüsten und Wüsten der südwestlichen USA und Nord-Mexikos besiedeln. Ihr arides Revier durchstreifen sie einzeln oder paarweise und suchen nach Großinsekten, Spinnentieren wie Skorpionen und Vogelspinnen, Amphibien, Reptilien – selbst die hochgiftigen Klapperschlangen -, Jungvögeln, kleinen Nagern, jungen Hasenartigen und überfahrenen Tieren; 10% ihrer Nahrung besteht aus Samen und Früchten, darunter auch die stacheligen Kaktusfeigen der Opuntien.
Zur Brutzeit baut das Paar sein Nest in 1 – 3 Metern Höhe in Büschen oder sogar auf Kakteen. Die zwei bis sechs Eier werden von beiden Geschlechtern abwechselnd ab dem ersten Ei bebrütet, was nach 17 – 18 Tagen zu einem asynchronen Schlupf mit einem Abstand von bis zu sieben Tagen vom ältesten zum jüngsten Nestling führt. Im Alter von 17 – 19 Tagen werden sie flügge und noch zwei bis drei Wochen von den Eltern geführt. Bereits einen Monat nach dem Brutbeginn kann das Weibchen unter idealen Bedingungen ein weiteres Gelege produzieren, während das Männchen tagsüber den vorigen Nachwuchs betreut und sich nachts um das Brutgeschäft kümmert.
Unser Objekt des Monats wurde 1831 von Johann Georg Wagler als Geococcyx variegatus (Abb. 1) beschrieben – allerdings kam ihm Lesson mit der Beschreibung seines Saurotheron californiania zwei Jahre zuvor! Somit wurde Geococcyx variegatus zum Synonym, doch Waglers Gattungsname, der sich aus den griechischen Worten geo (Erde) und kokkux (Kuckuck) zusammensetzt, blieb den beiden Rennkuckuckarten bis heute. Trotzdem beschrieb Wagner fünf Jahre später und vier Jahre nach Waglers Tod den kleineren und weiter südlich vorkommenden Rennkuckuck oder Lesser Roadrunner in München noch als Cuculus velox, heute Geococcyx velox (Wagner, 1836).
4 Fakten über Kuckucke
- Die Ordnung Cuculiformes besteht aus 37 Gattungen und 156 Arten. In Bezug auf die Variabilität von Sozial- und Brutverhalten sind Kuckucke einzigartig unter allen Vogelordnungen.
- Brutparasitismus hat sich bei den Kuckucken möglicherweise zweimal unabhängig voneinander entwickelt und ist kein typisches Merkmal für sie. Neben den bekannten Brutparasiten wie dem heimischen Kuckuck gibt es polyandrische Arten, bei denen Weibchen mehreren Männchen Eier ins Nest legen, die diese dann bebrüten und den Nachwuchs versorgen, monogame und in Gruppen brütende Arten mit mehreren Brutpflegehelfern, wie die hochsozialen Anis.
- Anpassungen an Temperaturextreme und Trockenheit haben die Rennkuckucke im Lauf ihrer Evolution einige entwickelt. In den kalten Nächten fallen sie in einen Torpor, um nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Morgens legen sie durch Aufstellen der Federn am Rücken nackte dunkle Hautstellen frei, durch die dort auftreffende Sonnenstrahlung den Körper schneller erhitzt. Aus demselben Grund ist die Haut der Nestlinge überwiegend schwarz gefärbt. Sobald sie wieder auf »Betriebstemperatur« sind, gehen sie auf Futtersuche. Während der Mittagshitze suchen sie Schattenplätze auf und werden erst am kühleren Nachmittag wieder aktiv. Wegekuckucke können ihren kompletten Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung decken, trinken aber bei Gelegenheit.
- Klimawandel macht dagegen unserem Kuckuck Cuculus canorus zu schaffen. Während sich viele Singvogel-Wirte des Kuckucks an die früher aktiv werdenden und mit der Fortpflanzung beginnenden Insekten angepasst haben, kehrt der Kuckuck immer noch zur selben Zeit aus den afrikanischen Wintergebieten zurück. Ihm fehlen damit nicht nur viele seiner als Nahrung genutzten Raupen, auch die Wirtsarten sind bereits weiter mit dem Brutgeschäft. Für Kuckucksweibchen wird es damit schwieriger, ihre Eier in geeignete Nester zu platzieren. Im gesamten Verbreitungsgebiet, das sich über große Teile Eurasiens und Nordafrika erstreckt, sind über 100 Wirtsvogelarten bekannt, und bei Kuckucksweibchen sind genetisch 15 verschiedene Färbungs- und Zeichnungstypen der Eier ausgebildet, sodass 77 % der Eier zum Gelege des ausgewählten Wirtsvogels passen.
Abbildungen
Abb. 1: Ein Wegekuckuck in vollem Lauf mit einer erbeuteten Echse im Schnabel. Die zygodactyle Zehenstellung ist gut sichtbar. Foto: Laura Wolf, lwolfartist, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons (Beschnittversionen erstellt)
Abb. 2: Die in der ZSM hinterlegten Typen von Geococcyx variegatus (oben) und Geococcyx velox (unten). Foto: M. Unsöld, ZSM
Literatur
Del Hoyo, J., Elliott, A. & Sargatal, J. eds. (1997) Handbook of the Birds of the World. Vol. 4. Sandgrouse to Cuckoos. Lynx Edicions, Barcelona
Winkler, D. W., Billerman S. M., Lovette, I. J. (2015) Bird Families of the World. Lynx Edicions, Barcelona.
Markus Unsöld


Foto: Schaumberger/Museum Mensch und Natur