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Feder Fratzenkuckuck
Foto: M. Unsöld Info Info

Objekt des Monats September 2023

Fremde Feder

Während eines Aufenthalts im Schutzgebiet Laguna di Orbetello in der Toskana, dem Wintergebiet der wiederangesiedelten Waldrappe, fand ich eine keiner europäischen Vogelart zuordenbare Feder. Mehrere Ornithologen schauten sie sich an, die meisten tippten auf einen Großfalken oder einen Falkenmischling. Eine Rundmail an die Sammlungs-Kollegen im deutschsprachigen Raum brachte die Lösung – eine kundige Praktikantin erkannte die seltsame Stoßfeder sofort als die eines Fratzenkuckucks! Doch wie kam diese fremde Feder mitten in die Toskana? Stammte sie von einem entflogenen Vogel? Ein Blick in die zootierliste.de zeigte, dass dieser Kuckuck weit und breit nicht gehalten wird. Als wahrscheinlichste Lösung erscheint ein begeisterter Ornithologe, der mehrere Federn an seinem Hut trug und diese eine bei der Vogelbeobachtung im Schutzgebiet verlor.

Fratzenkuckuck
Foto: M. Unsöld Info Info

Der Fratzenkuckuck Scythrops novaehollandiae

Mit seinem riesigen Schnabel ähnelt der Fratzenkuckuck eher einer kleinen Nashornvogelspezies als einem Kuckuck. Seine Länge von 60 cm und ein Gewicht von über 600g machen ihn nicht nur zum größten Vertreter der Familie Cuculidae, sondern auch aller Brutparasiten (nur die Kuckucksente Heteronetta atricapilla kann schwerer werden). Er kommt in Teilen Australiens, Indonesiens und Neuguineas vor und bewohnt dort tropische und subtropische Wälder. Seine Nahrung besteht aus Früchten, vor allem Feigen, und großen Käfern, Heuschrecken, Stab- und Gespenstschrecken. Außerhalb der Fortpflanzungszeit kann er Gruppen von bis zu 60 Tieren bilden.

Während der Fortpflanzungszeit sind Fratzenkuckucke einzeln und paarweise unterwegs. Vor der Paarung übergibt das Männchen dem Weibchen ein großes Insekt als Geschenk. Als obligate Brutschmarotzer bei sehr aufmerksamen und intelligenten Wirtsvögeln wie Dickschnabelkrähe Corvus macrorhynchos, Sundakrähe C. enca, Salvadorikrähe C. orru, Weißbürzel-Krähenstar Strepera graculina und Flötenvogel Gymnorhina tibicen kooperiert das Paar: Während das Männchen die Wirtsvögel ablenkt, legt das Weibchen ein bis fünf (in 52% der Fälle zwei) Eier in deren Nest. Je nach Art werden die Jungen überwiegend mit Obst oder Fleisch gefüttert, sind also in Bezug auf die Nahrung erstaunlich anpassungsfähig.

Fratzenkuckuck Schnabel
Fratzenkuckuck Schnabel
Fratzenkuckuck Stoßfedern
Fratzenkuckuck Stoßfedern
Scythrops novaehollandiae Etikett
Scythrops novaehollandiae Etikett

In der ZSM sind ein Balg und ein Standpräparat vorhanden. Der Balg stammt laut Etikett aus »Deutsch Neu Guinea«, hat kein genaues Funddatum, wurde aber 1911 als Nr. 78 ins Eingangsbuch eingetragen. Leider wurde er mit langgezogenem Hals sehr gestreckt präpariert. Die Dermoplastik ist um einiges älter: Das Etikett auf der Unterseite des Sockels gibt als Fundort und -zeit Neuholland 1837 an. Damit gehört es zu den ältesten Standpräparaten der ZSM und ist mit seinen 186 Jahren in einem sehr guten Zustand.

Text: Markus Unsöld

3 Fakten über Kuckucke

  • Über 150 rezente Arten in 37 Gattungen: Kuckucke sind in Bezug auf Färbung, Zeichnung und Größe sehr variabel. Das trifft auch auf ihr Verhalten zu.
  • Brutschmarotzer sind etwas mehr als ein Drittel aller Kuckucksarten. Tatsächlich brüten die meisten selbst – manche als Paar, wie die Rennkuckucke Geococcyx sp., bei anderen legen die Weibchen einer Gruppe ihre Eier in ein Gemeinschaftsnest, z.B. beim südamerikanischen Guirakuckuck Guira guira.
  • Nicht gefährdet gilt der Fratzenkuckuck in der IUCN Red List, was wohl an seiner weiten Verbreitung und seiner Anpassungsfähigkeit liegt, die er mit seinen Wirtsarten gemein hat.

Bildlegende

Abb. 1 (Artikelbild): Die in der Toskana gefundene Feder, die sich schließlich als vom Fratzenkuckuck stammend herausstellte. Foto: M. Unsöld

Abb. 2: Der Fratzenkuckuck erinnert mehr an einen Nashornvogel als an den heimischen Kuckuck. Foto: M. Unsöld

Abb. 3: Der große Schnabel des Fratzenkuckucks. Foto: M. Unsöld

Abb. 4: Die langen Stoßfedern des Standpräparates. Foto: M. Unsöld

Abb. 5: Das Etikett auf der Unterseite des Präparate-Sockels. Foto: M. Unsöld

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